2012-01-08 22:59 von Andreas Saulig (Kommentare: 0)
DIM ARCANA – Ars Populi
Heutzutage wird das Mittelalter gerne romantisch verklärt. Man denke an Minnegesang, die aus dem Boden sprießenden Mittelaltermärkte, auf denen geschlemmt und gezecht wird, Jungfrauenversteigerungen und ähnlicher Zinnober feilgeboten werden und alle Beteiligten mit einem steten Dauergrinsen umher rennen. Aber es gibt auch noch die finstere, dunkle Seite dieser zweifellos hochinteressanten Epoche. Der Dreck und Schmutz, Pest und andere todbringende Krankheiten, Kälte, Hunger und die Knechtschaft durch die Herrschenden aus Adel und Kirche. Genau diesen gerne verschwiegenen Teil dieser Epoche beleuchtet das italienische Duo DIM ARCANA. Wobei „Ars Populi“ im Grunde eine musikalische Mogelpackung ist. Denn von der übergreifenden Thematik abgesehen ist das Album musikalisch so weit vom Mittelalter entfernt wie der Bettler damals vom Bischof. Dass die Italiener eher den pechrabenschwarzen Aspekten dieser Zeit zugetan sind belegen schon die erschreckenden und ausdrucksstarken Bilder des niederländischen Malers Hieronymus Bosch, dessen Werke das Booklet zieren.
Musikalisch beheimatet ist DIM ARCANA allerdings im Dark Ambient. Und entsprechend ruhig geht es überwiegend auf dieser Scheibe zu. Wobei „ruhig“ hier nicht mit „gemütlich“ zu verwechseln ist: Von den wabernden Soundflächen geht eine permanente gefühlte Bedrohung aus. Darüber gelegte rezitierte Texte unterstreichen diesen Eindruck. Mal mag man vermuten, in einem kalten verlassenen Klosterkreuzgang zu sein, es hallen dumpfe Schritte aus der Ferne. Plötzlich wird eine Noise-artige Krachkaskade eingespielt und dieses Gedankenbild so schnell zu Fall gebracht wie es zuvor aufgebaut wurde. „Ars Populi“ kommt ohne anbiedernde Melodien oder durchgängige Rhythmen aus. Stattdessen vermutet man sich in einem klanglichen Minenfeld, in dem jeder Schritt eine unangenehme Überraschung bereithalten könnte. Das Album ist sicherlich keine Referenz für das Dark-Ambient-Genre. Es funktioniert allerdings durch die beschriebenen Spannungsbögen, die es aufzubauen vermag. Leichte Kost ist es fürwahr sicherlich nicht, aber das kann man bei dem thematisch schweren Überbau auch nicht ernsthaft erwarten.
Trackliste:
01. Ars Populi
02. Introduzione (Lettera Ad Un Demone)
03. Dissertazione D'Un Ladro
04. Lux Obscura
05. Il Non Sobrio Sarcasmo
06. La Vestale Con Una Luce
07. Le Sue Mani Son Tempesta
08. Il Sudicio Cantore Errante
09. Promessa Di Un'Anima Bruciata
10. Conclusione (Congedo Cosmico)
Rezension: Jochen Gehler
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