CD Review: NOVA-SPES „Pripyat – Home Of Lilith“

2012-01-08 22:56 von Andreas Saulig (Kommentare: 1)

NOVA-SPES „Pripyat – Home Of Lilith“


Ein dramatischer Evakuierungsaufruf in russischer Sprache, dann beginnt ein Geigerzähler zu knarzen. So markant beginnt das Album „Pripyat – Home Of Lilith“ der deutschen Elektro-Formation NOVA-SPES. Es behandelt die Ereignisse um den Reaktorunfall im Kernkaftwerk Tschernobyl 1986 und insbesondere das Schicksal der nahe am Katastrophenort liegenden Industriestadt Pripyat. Diese beinahe 50.000 Einwohner zählende Gemeinde wurde damals komplett evakuiert und ist heute eine der gespentischsten Geisterstädte der Welt. Das Album der Formation schlägt einen thematischen Bogen zur Gegenwart. Durch die Ereignisse in Fukushima erhält das Thema einen aktuellen Bezug. Musikalisch bietet die Scheibe einen zupackenden Stil, der Freunde von AND ONE oder auch MELOTRON begeistern könnte. Moderner EBM vereint sich mit melodiösem Elektropop und ein zumeist zupackender und straighter Beat sorgt dafür, dass die Scheibe auch in Clubs abgehen sollte wie eine (Verzeihung!) Atomrakete.

Allerdings suhlt sich „Pripyat – Home Of Lilith“ nicht in der eigenen Schönheit. Die Kompositionen verlieren sich nicht in anbiedernder und öliger Kitschigkeit, sondern fördern zur rechten Zeit stets die eine oder andere gezielte Dissonanz zu Tage, die den eigenen Stil der Scheibe unterstreicht. Die Texte sind in englischer und deutscher Sprache verfasst und ab und zu mischt sich ein Original-Sample aus dem tragischen Jahr 1986 hinein. NOVA-SPES, die mit „Prypiat – Home Of Lilith“ immerhin bereits ihr zehntes Album veröffentlichen und seit 1999 bereits zusammen musizieren und an den Reglern tüfteln haben den Dreh inzwischen raus.  Sie schaffen den Spagat zwischen Tanzbarkeit einerseits und anspruchsvoller elektronischer Musik andererseits und sollten sich mit diesem Album (und auch aufgrund des starken Partners Danse Macabre im Rücken) endgültig im Elektro-Segment etablieren.


Trackliste:
01.  Ein Tag Im April
02.  Welcome to Pripyat
03.  Here We Are
04.  Dissapointed
05.  1986
06.  Wir wollen jetzt!
07.  2011
08.  Sehnsucht
09.  We Cannot...
10.  Die Farbe Der Saison
11.  Todeszeit
12.  Everybody
13.  Unser Werk
14.  Evakuierung  


Rezension: Jochen Gehler

 

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Kommentar von Matthias Hübner | 2012-02-09

Da bleibt mir nur eins zu sagen übrig:

Sehr gut geschrieben.
VIELEN DANK!

Matthias