CD Review: OTTO DIX – Wonderful Days

2012-02-04 17:22 von Andreas Saulig (Kommentare: 0)

OTTO DIX – Wonderful Days


Ein barockes Gothic-Outfit, sein androgynes Äußeres, die vielseitige Falsett-Stimme des Countertenors und Sängers Michael Draw …  Diese und andere auffällige Attribute machen die russische Formation OTTO DIX immer noch zu einem exotischen Etwas, zu Paradiesvögeln, die so ganz anders sind als die konforme hiesige Gothic-Musiklandschaft. Und gerade deshalb lohnt e sich einmal, das mittlerweile fünfte Album (welches das Label Danse Macabre dankenswerter Weise nach Deutschland holte) einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Für den Hörer präsentiert sich „Wonderful Days“ als wahre Fundgrube unterschiedlicher Stile und Richtungen, die die Osteuropäer sehr geschickt zu einer homogenen Einheit vermixen. So peitschen die E-Gitarren und die schmerzhaft zerrenden Industrial-Breaks diesmal noch vehementer als bei den bisherigen Veröffentlichungen. OTTO DIX ist, das kann man konstatieren, deutlich härter geworden. Allerdings zum Glück, ohne die sonstigen Eigenschaften über Bord zu werfen. Die Härte korrespondiert mit New Wave, Barock und Gothic. Beim ersten Durchhören klingt diese Melanche zunächst verstörend, ja sogar anstrengend, aber wenn man sich beim zweiten Durchgang etwas daran gewöhnt hat, begreift man die Vielschichtigkeit der Kompositionen. Man versteht den Masterplan, der sich durch das gesamte Album zieht:

So vielschichtig und mitunter verstörend wie die Musik von OTTO DIX auch sein mag. Sie ist lediglich ein leicht verzerrter Spiegel der russischen Realität. Singt Michael Draw doch vom Auf und Ab des russischen Lebens zwischen Zarenzeit und Gegenwart. Auch wenn die Texte in russischer Sprache dargeboten werden vermag man doch die allgegenwärtige Schwermut und Melancholie der russischen Seele herauszuhören, die sich auch einmal in verzweifelten schnellen Ausbrüchen artikuliert. OTTO DIX genießen in ihrer Heimat Starstatus; sind also auch schon irgendwie Mainstream. Das gelingt, obwohl sie sich nicht verbiegen und mit glockenhellen Kinderchören von den schönen Dingen des Lebens singen. Im restlichen Europa könnte der Act Teil einer ersehnten Renaissance des Genres werden – sofern die satte hiesige Szene den intellektuellen Hintergrund von OTTO DIX zu verstehen und anzunehmen vermag.


Label: Danse Macabre
VÖ: 04. November 2011


Trackliste:
01.  Those Who Will Be After 
02.  The Wonderful Days  
03.  The Machine  
04.  The Speed 
05.  The Iron Rod 
06.  A Man, Who Doesn´t Write Prose
07.  Glass Flowers 
08.  Little Prince  
09.  Icarus  
10.  The Beast  
11.  Undressed 
12.  Indigo  
13.  AOUM 


www.ottodix.ru
Rezension: Jochen Gehler

 

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