2012-01-09 12:08 von Andreas Saulig (Kommentare: 0)
SALTATIO MORTIS – Sturm aufs Paradies
Die Spielleute von SALTATIO MOTIS säten 2009 mit dem letzten Album den „Sturm aufs Paradies“, den sie jetzt mit dem aktuellen Album ernten. Fürwahr, die neue Scheibe ist deutlich mehr als ein laues Lüftchen. Im Gegenteil, noch nie klang die Mittelalterformation brechender und durchschlagender als auf dem neuen Album. Die Kompositionen sind insgesamt zupackender, moderner und mit mehr Power versehen als je zuvor. Die Männer haben es vermocht, dennoch ihre Wurzeln nicht zu verraten. Es bleiben unverkennbar SALTATIO MORTIS, auch wenn sich inzwischen mal das eine oder andere Metal-Riff in die Stücke schleicht oder auch mit „Gott würfelt nicht“ ein Track enthalten ist, der wie ein moderner klassischer Deutschrocksong klingt und rein gar keinen mittelalterlichen Bezug hat. Die Mehrheit der insgesamt 13 Songs dürften auf der Bühne mächtig abgehen. Die Dudelsäcke bekommen wieder reichlich zu tun und die schmissigen und eingängigen Refrains bleiben penetrant in den Gehörgängen kleben und laden energisch zum Mitsingen und -klatschen ein. Vielleicht ist dies der einzige leise Vorwurf, dem man an das Album richten kann: Es gönnt keine Pausen. Eine spannende Geschichte nach der nächsten wird erzählt, ein potientieller Ohrwurmhit folgt auf den anderen und der Hörer kommt kaum zum Durchschnaufen. Aber mal ehrlich: Das ist doch allemal besser als halbgare Lückenfüller.
Thematisch packen SALTATIO MORTIS diesmal heiße Eisen mit aktuellem Bezug in ein mittelalterliches Gewand. „Habgier und Tod“ kann man durchaus als Parabel auf die aktuelle Bankenkrise verstehen, „Gott würfelt nicht“ befasst sich mit der kontrovers diskutierten Problematik der Sterbehilfe, während „Hochzeitstanz“ sich um das Thema Kindesmissbrauch dreht. Hier aus Tätersicht erzählt macht dies den Track um so aufwühlender. Auch auch mythische Themen haben bei SALTATIO MORTIS ein Zuhause („Orpheus“ und „Prometheus“). Mit „Sturm aufs Paradies“ ist der Band ihr bislang vielleicht bestes, mit Sicherheit aber reifstes Werk gelungen. Das Festhalten an mittelalterlichen Instrumenten und Texten und ein inhaltlicher Übergang in die moderne Zeit schließen sich nicht aus. Das beweisen SALTATIO MORTIS. Sicherlich ein No-Go für MA-Puristen. Aber diese haben die Band wahrscheinlich auch vorher schon gemieden.
Trackliste:
01. Habgier und Tod
02. Hochzeitstanz
03. Ode an die Feindschaft
04. Eulenspiegel
05. Sündenfall
06. Nachtigall und Rose
07. Gott würfelt nicht
08. Nach Jahr und Tag
09. Orpheus
10. Spiel mit dem Feuer
11. Fiat Lux
12. Der letzte Spielmann
13. Wieder Unterwegs
Rezension: Jochen Gehler
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